MyAbfindung - kein Anspruch auf halbe Urlaubstage

MyAbfindung - kein Anspruch auf halbe Urlaubstage

Kennst Du das auch? Du möchtest Dich gern mit einer Freundin treffen oder eine dringenden Gang zu einer Behörde erledigen – und bittest um einen halben Tag Urlaub. Die meisten Arbeitgeber, die dies tun, sind damit einverstanden.

Doch das könnt sich jetzt schnell ändern. Denn zumindest beim so genannten gesetzlichen Urlaub hat das Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg dem einen Riegel vorgeschoben (Urteil vom 6. März 2019, Aktenzeichen 4 Sa 73/18). LINK: http://lrbw.juris.de/cgi-bin/laender_rechtsprechung/document.py?Gericht=bw&nr=27753

Der Fall:
In Heilbronn war ­­­ein ­­­­Ar­beit­neh­mer ­­in sei­ner Frei­zeit als Win­zer tätig. Manchmal bat er, früher den Arbeitsplatz verlassen zu dürfen – je nachdem, wie das Wetter gerade war. Der Grund: Er wollte nachmittags nach seinen Rebstöcken sehen. Und sein Arbeitgeber hatte ihm dafür auch früher immer mal wieder halbe Urlaubstage gegeben. ­­

Doch irgendwann wurde es dem Arbeitgeber zu viel. Er wollte die halben Tage nicht mehr frei geben. Und der Hobby-Winzer? Er verklagte seinen Chef. Er zog vor das Arbeits­ge­richt Heil­bronn, wollte so seinen ­­­(vermeintlichen) An­spruch auf hal­be Ur­laubs­ta­ge ge­richt­lich durch­zu­set­zen.

Doch das Arbeitsgericht schmetterte die Klage ab (ArbG Heil­bronn, Ur­teil vom 31. Oktober 2018, Aktenzeichen 4 Ca 192/18). Der Winzer ging in die Berufung beim Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg.

Und auch dort verlor er.

Die Richter entschieden: Es gibt laut Gesetz keine halben Urlaubstage.

Der Grund: ­­­§ 7 Abs. 2 Bundesurlaubsgesetz sieht vor, dass der Urlaub zusammenhängend genommen werden soll. Halbe Tage sind einfach nicht vorgesehen.

Der Arbeitgeber kann deshalb einen Antrag auf Urlaub ablehnen, ­­­­der „auf ei­ne Zerstücke­lung und Ato­mi­sie­rung des Ur­laubs in Klein­st-Ra­ten ge­rich­tet ist“.

Wirklich bedenklich ist die Konsequenz, wenn der Arbeitgeber dennoch halbe Tage gibt. Die Richter meinen, dass die Gewährung von halben Tagen ­­­­die Ur­laubs­ansprüche des Ar­beit­neh­mers nicht ein­mal erfüllen würde! Ei­ne halbtägig oder stun­den­wei­se gewähr­te „Be­ur­lau­bung“ hätte so nicht die Folge, dass der Urlaub weniger würde.

Der Arbeitnehmer könnte später noch einmal den gesamten Urlaub verlangen, der in halben Tagen gegeben wurde!!!

Ein kleines Aber:
Das gilt nur für die 20 Tage gesetzliche Urlaub bei einer 5-Tage-Woche. Nur bei diesen 20 Tagen ist der Arbeitgeber an die strengen Vorgaben des Bundesurlaubsgesetzes gebunden.

Viele Arbeitgeber versprechen über die 20 hinaus auch „vertraglichen“ Urlaub. Für diesen Teil können sie mit dem Arbeitnehmer vereinbaren, dass er auch in halben Tagen genommen werden kann. Das muss dann aber auch so im Vertrag stehen. Und so einen Vertrag habe ich noch nicht gesehen 🙂

Hilf anderen, indem Du teilst!
>