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MyAbfindung Kurzarbeit

Kurzarbeit – nicht nur in Zeiten von Covid19

By M. Waitschies | Arbeitszeit

Kurzarbeit - nicht nur in Zeiten von Corona

Viele von Euch sollen in diesen Tagen einen Vertrag zur Kurzarbeit unterschreiben. Das Unternehmen
will durch Kurzarbeit die Gehaltskosten senken. 

Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Kurzarbeit:

1. Mein Chef will Kurzarbeit ab sofort anordnen. Darf er das?

Nein, per einseitiger Anordnung geht das nicht. Dein Chef braucht dafür entweder Dein
Einverständnis – oder das Okay des Betriebsrates, wenn Du in einer größeren Firma arbeitest. In sehr
großen Unternehmen könne auch die Gewerkschaften der Kurzarbeit zustimmen. Das bedeutet:
Wenn Du in Deinem Arbeitsvertrag keinen Abschnitt zur Kurzarbeit findest, muss Dein Chef in der
Regel mit Dir eine Ergänzung vereinbaren.

2. Kann ich Kurzarbeit also ablehnen?

Ja, das ist möglich, wenn nicht der Betriebsrat oder die Gewerkschaft zugestimmt haben.

3. Ist mein Chef berechtigt, mich zu kündigen, wenn ich ablehne, durch Kurzarbeit auf Gehalt zu
verzichten?


Wer in Betrieben mit bis zu 10 Mitarbeitern tätig ist, hat tatsächlich das Risiko der Kündigung. In allen
anderen Fällen muss der Chef dann die Kündigung mit dringenden betriebsbedingten Gründen
erklären. Das Problem für das Unternehmen: Der Arbeitsausfall durch die Corona-Krise ist nur
vorübergehend. Ein dauerhafter Arbeitsrückgang, der zur Kündigung berechtigt, wird laut einigen
Gerichtsentscheidungen erst bei einem Ausfall von 9 Monaten gesehen.

4. Auf wie viel Geld verzichte ich während der Kurzarbeit?

Wenn ich gar nicht mehr arbeite (Kurzarbeit null), muss meine Firma mir kein normales Gehalt mehr
zahlen. Ich bekomme dann rund 60 Prozent meines Nettogehaltes als Kurzarbeitergeld, wenn ich
keine Kinder habe. Der Satz erhöht sich auf rund 67 Prozent des Nettogehaltes, wenn ich ein oder
mehrere Kinder habe. Arbeite ich (nur) weniger, bekomme ich für den Teil, den ich weniger arbeite,
entsprechend 60 oder 67 Prozent, das restliche Gehalt erhalte ich normal weiter.

5. Wer zahlt das Kurzarbeitergeld? Muss ich dafür zur Agentur für Arbeit?

Nein. Der Arbeitgeber zahlt das Geld für die Agentur für Arbeit mit dem normalen Gehalt monatlich
aus. Er bekommt es dann von der Agentur später erstattet.

6. Kann mein Arbeitgeber mir auch mehr Geld überweisen, als die 60 oder 67 Prozent
Kurzarbeitergeld?


Ja. Das ist sogar ziemlich häufig. Große Unternehmen wie Audi oder Daimler zahlen 90 Prozent oder
mehr des Netto-Gehaltes, damit die Einbuße bei den Arbeitnehmern nicht so hoch sind. Sie sparen in
diesem Fall immer noch mindestens 70 Prozent der Löhne!

7. Kann ich eine höhere Zahlung von meinem Arbeitgeber verlangen?

Das zwar nicht. Aber ich kann natürlich meine Einwilligung abhängig machen von einer Aufstockung.
Er wird manchmal darauf eingehen, weil er ja ohnehin sehr viel Lohn sparen kann, auch wenn er
aufstockt.

8. Wie schnell kann mein Chef Kurzarbeit einführen?

Die Agentur für Arbeit sagt momentan: Sofort! Das ist aber arbeitsrechtlich falsch. Es muss immer
eine Ankündigungsfrist geben. Die kürzesten Fristen stehen in den Tarifverträgen der
Gewerkschaften: 5 Werktage. Manche Gewerkschaften sind in dieser Krise auch unter diese Schwelle
gegangen. Aber wer eine Ergänzung zum Arbeitsvertrag unterschreibt, kann davon ausgehen, dass
eine Frist von unter einer Woche, möglicherweise zwei Wochen nicht greift. Unterschreitet der Chef
diese Frist, könnt Ihr den Euch entgangenen Lohn möglicherweise später zurückfordern!


MyAbfindung - Elternzeit für Hunde

Elternzeit für Hunde

By M. Waitschies | Arbeitszeit , Haustiere

Elternzeit für Hunde?

Ich habe gerade einen wunderbaren Artikel von Helge Weinberg gelesen – ein Journalist, der über Bürohunde im Human Resources Manager geschrieben hat.

Beim Social-Media-Unternehmen Xing (jetzt New Work SE) in Hamburg begleiten demnach geschätzt 30 Bürohunde ihre Frauchen und Herrchen bei der Arbeit. Der Journalist Weinberg zitiert den Pressesprecher Christoph Stanek: „Wir verstehen uns als Wegbereiter von New Work und wollen das auch intern leben“, sagt Stanek. „Für uns ist es wichtig, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gern zur Arbeit kommen und das heißt auch, dass ihre Hunde bei uns willkommen sind.“

Was tun die Arbeitgeber mittlerweile für Hundebesitzer?

Viele Firmen bieten Vertrauensarbeitszeit an. Das bedeutet: Der Arbeitnehmer verspricht, die Arbeit zu tun – nur wann er es tut, ist ihm überlassen (wenn er dabei die gesetzlichen Grenzen der Arbeitszeit einhält). Klar, dass das für Hundehalter super ist. Können sie doch auf diese Weise Gassi gehen, wenn ihr Hund oder sie möchten – und müssen nicht auf die nächste Pause warten. 

Ein Unternehmen, das in diese Richtung denkt, ist Glassdoor, ein Wettbwerber von Xing. Presseprecher Felix Altmann erklärte gegenüber dem Human Recources Manager: „Alle Mitarbeiter, auch die Hundebesitzer, können sich ihre Arbeitszeit sehr flexibel einteilen und damit auch an den Bedürfnissen ihrer vierbeinigen Freunde ausrichten.“

Es gibt sogar Firmen, die eine Art Elternzeit für Hunde- oder Katzenbesitzer anbieten! In den USA ist dies in einigen Unternehmen bereits ein anerkannter Urlaubsgrund.

In Deutschland hat davon noch kaum jemand gehört, und rechtlich wäre es auch nicht durchsetzbar, wegen des Todes des Hundes oder Katze einen Tag (bezahlt) zu Hause zu bleiben. 

Zwar kennt das Gesetz Fälle, in denen der Arbeitgeber verpflichtet ist, das Gehalt zu zahlen auch wenn der Arbeitnehmer nicht zur Arbeit erscheint – zum Beispiel bei schwerer Krankheit von kleinen Kindern, beim Versterben naher Angehöriger oder der Geburt des eigenen Kindes (§ 616 BGB). 

Aber Richterinnen und Richter gehen aller Wahrscheinlichkeit nicht so weit, einen derartigen Grund für Sonderurlaub anzuerkennen, wenn das Haustier verstirbt oder echte Probleme hat. Natürlich kann man sich Fälle ausdenken, in denen akute Gefahren für ein Hund oder eine Katz bestehen und diesen aus Gründen des Tierschutzes begegnet werden muss. Das kann aber nicht dazu führen, einen ganzen Tag Arbeit zu verpassen. Grundsätzlich geht die Dienstpflicht hier vor. 

Jedenfalls kann ich Arbeitnehmern, die in einer Branche abreiten, die Fachkräfte sucht, nur raten, entsprechende Forderungen bei den Verhandlungen über einen Arbeitsvertrag zu stellen. Lasst Euch in den Vertrag schreiben, dass Ihr einen Tag zu Hause bleiben könnt, wenn Euer Hund stirbt oder einen halben Tag, wenn er zum Tierarzt muss. Einige Arbeitgeber werden vielleicht denken, das sei etwas skurril und im ersten Moment stutzen. 

Ich würde es als Arbeitgeber aber gestatten. Denn wie häufig wird ein Hund sterben? Und wenn er stirbt: Möchte ich dann, dass mein Kollege zur Arbeit trottet und gar nicht in der Lage ist, einen Handschlag zu tun?


MyAbfindung Hitzefrei im Büro und bei der Arbeit

Hitzefrei im Büro und bei der Arbeit

By M. Waitschies | Arbeitszeit

Rekordtemperaturen in Deutschland!
Bekomme ich diese Woche im Büro oder auf der Arbeit Hitzefrei?

Hamburg, 25. Juni 2019 – Über 40 Grad soll es diese Woche werden –  Früher hieß es dann: Hitzefrei! Aber gibt es das auch im Büro und bei der Arbeit?

Hitzefrei bei der Arbeit ist jedenfalls möglich. Lese hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Darf ich einfach zu Hause bleiben, wenn es diese Woche über 40 Grad heiß wird?
Lieber nicht! Es gibt bestimmte Grenzwerte – und in vielen Fällen können die Chefs auch Maßnahmen ergreifen, um die Arbeit erträglicher zu machen. Erst wenn alle diese Maßnahmen ausgeschöpft sind, kommt ein Hitzefrei im Büro in Betracht! Du solltest auf keinen Fall die Arbeit von selbst verlassen oder gar nicht erst hingehen. Dann würdest Du eine Abmahnung oder auch eine Kündigung riskieren. 

Ab wann ist es denn zu heißt im Büro? Was sagt das Gesetz?
Die „Technischen Regeln für Arbeitsstätten“, erlassen vom Bundesarbeitsministerium, schreiben vor, dass die Lufttemperatur in Büros eigentlich nicht mehr als 26 Grad betragen darf. Aber: Ausnahmsweise darf sie auch mal auf bis zu 35 Grad steigen. Zum Beispiel an heißen Tagen wie diese Woche.

Und wenn die Temperatur im Büro auf über 35 Grad in meinem Büro klettert?
Dann ist Schluss. Der Raum ist dann nicht mehr als Arbeitsstätte geeignet. Da muss der Chef dann Hitzefrei geben.

Um die 30 Grad reichen mir auch – ist das zumutbar?
Eher nicht. Wenn die Temperatur draußen und im Büro über 26 Grad beträgt, muss der Arbeitgeber etwas unternehmen. Er soll zum Beispiel zusätzliche Getränke bereitstellen, Fenster verblenden, Jalousien herunterkurbeln, Klimaanlagen aufdrehen – soweit er kann. Er sollte morgens und abends lüften. Er kann den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch erlauben, Krawatten auszuziehen oder Jackets abzulegen. Was der Arbeitgeber genau macht, ist seine Sache, aber er sollte auf jeden Fall etwas unternehmen.

Kommt es darauf an, welche Arbeit ich erledige?
Ja, wenn Du schwere körperliche Arbeit verrichten musst, hat Dein Chef die Pflicht, Dich eher vor zu hohen Temperaturen zu schützen.

Was ist, wenn ich draußen arbeite – auf einer Baustelle zum Beispiel, als Fensterreiniger oder in Gärten
Die Höchstgrenzen gelten nicht für den Bau oder für Arbeiten im Freien. Aber der Chef hat bei Hitzewellen die Verpflichtung, für Kühlung zu sorgen: Getränke, Sonnenschutz, längere Pausen und Gesundheits-Checks auf Kopfschmerzen und Übelkeit (Sonnenstich).

MyAbfindung - Überstunden - so zahlt Dein Chef jede Minute

Überstunden – so zahlt Dein Chef jede Minute

By M. Waitschies | Arbeitszeit

Ärgerst Du Dich auch über die Überstunden, die Du ständig machst – und nicht bezahlt oder auf Deinem Arbeitszeitkonto gutgeschrieben bekommst? myAbfindung zeigt Dir, wie Du es schaffst, dass jede Minute gezahlt oder auf dem Arbeitszeitkonto gutgeschrieben wird.

Als erstes musst Du in Deinem Arbeitsvertrag nachschauen: Steht da etwas davon, dass Überstunden mit dem Gehalt abgegolten sind? Falls das so ist, musst Du prüfen, ob es irgendeinen Hinweis darauf gibt, wie viele Stunden in der Woche nicht extra gezahlt werden. Wenn es keine konkrete Zahl gibt – zum Beispiel 10 Stunden – dann muss dort zumindest stehen, dass Überstunden, die „innerhalb der gesetzlichen Grenzen“ anfallen, nicht bezahlt oder ausgeglichen werden. Fehlen diese Hinweise, spricht viel dafür, dass dieser Passus im Arbeitsvertrag rechtswidrig ist und unwirksam. Dann muss jede Überstunde berücksichtigt werden.

Zur Info: Das Arbeitszeitgesetz sieht vor, dass Du nicht mehr als 10 Stunden am Tag arbeiten darfst – abzüglich der Pausen. Hast Du also einen 8-Stunden-Tag, dürfen maximal noch 2 Stunden hinzukommen. Ausnahmen gelten aber beispielsweise für Ärzte oder andere Berufsgruppen, bei denen Tarifverträge längere Arbeitszeiten vorsehen.

Du hast Deinen Arbeitsvertrag geprüft – und meinst, dass jede Überstunde gezahlt werden muss. Wie nun kriegst Du es hin, dass die Stunden auch anerkannt werden? 

Am besten ist es natürlich, wenn es ein Arbeitszeitkonto gibt, und diese Stunden auf Deinem Konto „gebucht“ sind. Keinerlei Probleme gibt es auch, wenn Du Dir die Überstunden per E-Mail oder Ähnliches quasi „quittieren“ lässt. 

Aber was passiert, wenn es dieses Konto, diese E-Mail oder die Quittung nicht gibt – oder die Stunden einfach nicht gutgeschrieben werden?

Dann ist es gar nicht so leicht, im Nachhinein zu beweisen, dass man gearbeitet hat. Denn Du musst – wenn es im Gericht hart auf hart kommt – nicht nur beweisen, dass Du länger gearbeitet hast. Du musst auch noch beweisen, dass Dein Chef das wollte, es duldete oder die Überstunden aus der Sicht eines Unparteiischen notwendig waren. Und dann auch noch, dass Du keine Gelegenheit hattest, die Überstunden an einem anderen Tag wieder abzubummeln – falls die Arbeitszeit in Eurem Betrieb flexibel ist..

Wie schaffst Du das?
Als erstes musst Du Deine Überstunden ganz genau festhalten. Das bedeutet: Schreibe sie in einen Kalender, in ein Tagebuch, in eine Kladde. Es muss ganz genau drin stehen, von wann bis wann die Überstunden angefallen sind – und an welchem Tag Du sie gemacht hast.

Bis dahin ist es einfach. Doch jetzt kommt das Wichtigste: Du musst noch mehr aufschreiben. Und zwar, warum Du die Überstunden leistest. 

Das Beste ist, wenn Du schreiben kannst, dass Dein Chef, Deine Vorgesetzte oder irgendjemand in der Firma Dich angewiesen hat, die Überstunden zu machen. Vielleicht war der Verkaufsraum noch nicht aufgeräumt, vielleicht war noch nicht eingedeckt für die Morgenschicht im Hotel, vielleicht musste ein dringendes Papier noch in einer bestimmten Frist fertig gestellt werden. Du solltest genau das jedenfalls festhalten. Warum die Überstunden? Und wer hat sie angeordnet?

Falls sie niemand direkt angeordnet hat, solltest Du aufnehmen, warum sie aus Deiner Sicht notwendig waren. Wie kommt es, dass Du die Arbeit, die Du erledigt hast, nicht am Tag darauf erledigen konntest? Warum musste es gerade jetzt sein? Musstest Du einen Termin einhalten? Musste noch abgeschlossen werden? Hat Dich eine Kollegin oder ein Kollege der nächsten Schicht hängen lassen und ist zu spät gekommen? Und: Wer kann das notfalls als Zeuge bestätigen?

Falls Dir dazu nichts einfällt, solltest Du zumindest noch notieren, ob irgendjemand aus der Führungsmannschaft in der Firma weiß, dass Du Überstunden machst. Duldet Dein Abteilungsleiter Deine Überstunden? Hast Du davon beim Kaffeetrinken oder in der Raucherpause berichtet? Wie hat der Kollege reagiert?

Etwas schwierig ist natürlich zu beschreiben, warum Du bei einer flexiblen Arbeitszeit die Überstunden zum Beispiel innerhalb eines Monats nicht wieder abbummeln konntest. Aber auch das wird Dir gelingen, wenn Du notierst, wie viel Arbeit täglich zu erledigen war. Vielleicht hast Du keine Vertretung? Oder Deine Chefs haben gedrängelt?

Soweit Du diese Informationen festgehalten hast, muss Du nun noch in Deinen Arbeitsvertrag schauen: 
Steht im hinteren Teil irgendetwas von „Ausschlussfrist“ oder „Verfall“ von Ansprüchen? Falls ja, musst Du Deine Überstundenbezahlung innerhalb dieser Fristen gegenüber dem Arbeitgeber geltend machen. Meistens muss man dafür eine E-Mail schreiben an die Personalabteilung oder den Chef und genau sagen, wie viel Geld oder wie viele Stunden man gutgeschrieben bekommen möchte.Bedenke: diese „Ausschlussfristen“ können auch in einem Tarifvertrag stehen, der für Dich gilt. Zum Beispiel wenn Du Gebäudereiniger bist oder Friseur.

Tipp: Wenn die Frist im Arbeitsvertrag weniger als drei Monate beträgt, ist die Klausel null und nichtig. Dann hast Du drei Jahre Zeit :-). Vorsicht: In Manche Arbeitsverträgen sind Doppelstock-Fristen enthalten. Du musst innerhalb von drei Monaten Deine Ansprüche anmelden. Lehnt der Arbeitgeber die Zahlung oder Gutschrift ab oder meldet er sich gar nicht, musst Du innerhalb einer weiteren Frist Klage erheben. Die Richter finden diese Klausel meistens okay, wenn die Fristen drei Monate nicht unterschreiten.


Gegen den Arbeitgeber klagen? Das hört sich befremdlich an, oder? Ist es auch. Du musst Dir das genau überlegen. Denn  falls Du das wirklich tust, bekommst Du vielleicht recht – aber möglicherweise will dann Dein Chef Dir dann kündigen. Andererseits: Wenn Du selbst keine große Lust mehr hast, in der Firma zu arbeiten und noch eine Abfindung „mitnehmen“ möchtest, wäre dies ein erster guter Schritt,
um Dich ein bisschen unbeliebter zu machen, ohne fies zu sein. Bedenke: Nur wenn Dein Chef möchte, dass Du gehst, gibt er Dir eine Abfindung. Dem, der von sich aus gehen möchte, wirft ein Arbeitgeber nicht noch gutes Geld hinterher.

MyAbfind - Brückenteilzeit kommt

Brücken-Teilzeit kommt!

By M. Waitschies | Arbeitszeit

Brücken-Teilzeit kommt!

Wer seine Arbeits-Stunden reduzieren wollte, hatte bislang keinen Anspruch darauf, später zur Vollzeit-Stelle zurückzukehren.

Das soll nun anders werden.

Ab 2019 gilt: Viele Arbeitnehmer können ihre Arbeitszeit vorübergehend verringern – für ein bis fünf Jahre. Dafür müssen sie ihren Antrag nicht mit Gründen wie Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen begründen. Der Bundesrat hat jetzt eine entsprechende Regelung gebilligt. Die Bundesregierung rechnet damit, dass das Gesetz am 1. Januar 2019 in Kraft tritt. 

myAbfindung gibt die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Ich will weniger Stunden arbeiten – profitiere auch ich vom neuen Gesetz?
Du kannst den Antrag kann stellen, wenn Du länger als sechs Monate bei Deinem Arbeitgeber angestellt bist. Hinzu kommt: Dein Arbeitgeber muss mehr als 45 Angestellte haben. In Betrieben zwischen 46 und 200 Arbeitnehmern muss Dein Arbeitgeber nur jedem 15. Beschäftigten die befristete Teilzeit gewähren.

Kann sich der Arbeitgeber aus sonstigen Gründen herausreden?
Das ist theoretisch möglich – praktisch aber schwer. Im Gesetz steht, dass der Arbeitgeber betriebliche Gründe geltend machen darf, die ihm eine Teilzeit für eine befristete Zeit verbietet. Der Erfahrung nach werden die Gerichte diese Möglichkeit aber stark einschränken.

Warum sollte ich überhaupt die Teilzeit in einem oder in bis zu Jahren enden lassen?
Ganz einfach: Du weißt nicht, was vor Dir liegt. Gerade Mütter, die für die Betreuung ihrer Kinder die Elternzeit aufgebraucht haben, können durch die neue Regelung nun deutlich länger in Teilzeit bleiben – ohne auf das Recht zu verzichten, später wieder Vollzeit zu arbeiten.

MyAbfindung - Reisezeit ist Arbeitszeit

Reisezeit gleich Arbeitszeit?

By M. Waitschies | Arbeitszeit

Stell’ Dir vor, Du gehst für Deinen Arbeitgeber auf eine Dienstreise: 5 Uhr aufstehen, 6.30 Uhr Sicherheitscheck am Flughafen, 7.15 Uhr Abflug – Meeting und weitere Gespräche in London von 9.00 bis 18.00 Uhr. Danach Rückflug, Ankunft zu Hause: 21.00 Uhr. Du warst mindestens 5 Stunden länger unterwegs als an einem normalen Arbeitstag in Deinem Büro.

Bekommst Du diese zusätzlichen 5 Stunden Reisezeit eigentlich als Arbeitszeit bezahlt?

Bislang gilt: Eine Zahlung gibt es nur, wenn das vereinbart wurde mit Deinem Chef – zum Beispiel im Arbeitsvertrag oder in einem Tarifvertrag. Doch das könnte sich jetzt ändern. „Entsendet der Arbeitgeber den Arbeitnehmer vorübergehend zur Arbeit ins Ausland, sind die für Hin- und Rückreise erforderlichen Zeiten wie Arbeit zu vergüten“, heißt es in einer Pressemitteilung des Bundesarbeitsgerichtes in Erfurt.

Heißt das, dass nun jeder Arbeitnehmer bei Reisen ins Ausland seine Reisezeiten bezahlt bekommt? Auch, wenn dazu nichts im Arbeitsvertrag steht oder in einem anderem Vertrag?

Wir wissen es noch nicht. Aus der Pressemitteilung der Erfurter Richter geht das noch nicht klar hervor. Sicherheit bei dieser Frage gibt es, wenn die Richter ihr Urteil schriftlich begründet haben. Und das dauert noch ein bisschen.

Es ging um folgenden Fall:

Ein Bauleiter hatte seinen Arbeitgeber verklagt. Er war verpflichtet, auf wechselnden Baustellen im In- und Ausland zu arbeiten. Im Tarifvertrag stand, dass er die An- und Abfahrtzeiten bezahlt bekommt. Vom 10. August bis zum 30. Oktober 2015 entsandte ihn seine Firma auf eine Baustelle in China. Auf seinen Wunsch buchte die Firma für die Hin- und Rückreise einen Flug in der Business-Class mit Zwischenstopp in Dubai – es hätte aber auch die Möglichkeit eines Direktfluges in der Economy-Class gegeben.

Für die vier Reisetage zahlte die Firma dem Bauleiter die Vergütung für jeweils acht Stunden, also für jeweils einen normalen Arbeitstag ohne Reisezeiten – insgesamt 1.149,44 Euro brutto. Der Kläger aber wollte mehr: Er machte eine Zahlung für weitere 37 Stunden geltend. Begründung: Die gesamte Reisezeit von seiner Wohnung bis zur auswärtigen Arbeitsstelle und zurück sei wie Arbeit zu vergüten.

Die Richter am Bundesarbeitsgericht erkannten, dass er grundsätzlich im Recht sei. Der Arbeitgeber müsse dem Bauleiter die Zeit seiner Reise bezahlen – allerdings nur die Zeit, die erforderlich für die Strecke von Deutschland nach China gewesen sei. Die Richter bezweifelten, dass der Flug mit Zwischenstopp in Dubai notwendig gewesen war – und schickten die Gerichtsakten zurück an das Gericht zweiter Instanz. Dort sollen die Richter nun prüfen, wie viel Zeit konkret für den Flug notwendig war. Für diese Zeit soll der Bauleiter dann zusätzlich Geld bekommen.

Nun rätseln viele Arbeitsrechtler: Bedeutet das neue Urteil des Bundesarbeitsgerichtes, dass stets die Reisezeiten ins Ausland zu bezahlen sind? Das wäre eine kleine Revolution. Denn bislang gehen die Arbeitsrechtler davon aus, dass Das ist nicht sicher: Denn der Bauleiter konnte sich auf einen Tarifvertrag berufen. In diesem Tarifvertrag stand ausdrücklich, dass Reisezeiten zu bezahlen sind. Einige Arbeitsrechtler meinen nun, dass sie aus der Pressemitteilung herleiten können, dass auch alle anderen Arbeitnehmer Geld für Reisen ins Ausland verlangen können – auch wenn das nicht in Tarifvertrag oder im Arbeitsvertrag ausdrücklich festgehalten ist. Doch Vorsicht: Ob das so ist, weiß noch kaum jemand. Wir werden es erst erfahren, wenn die Richter des Bundesarbeitsgerichtes ihr Urteil  schriftlich begründet haben – und das dauert noch etwas.

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