Kurzarbeit – nicht nur in Zeiten von Covid19

By M. Waitschies | Arbeitszeit

Kurzarbeit - nicht nur in Zeiten von Corona

Viele von Euch sollen in diesen Tagen einen Vertrag zur Kurzarbeit unterschreiben. Das Unternehmen
will durch Kurzarbeit die Gehaltskosten senken. 

Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Kurzarbeit:

1. Mein Chef will Kurzarbeit ab sofort anordnen. Darf er das?

Nein, per einseitiger Anordnung geht das nicht. Dein Chef braucht dafür entweder Dein
Einverständnis – oder das Okay des Betriebsrates, wenn Du in einer größeren Firma arbeitest. In sehr
großen Unternehmen könne auch die Gewerkschaften der Kurzarbeit zustimmen. Das bedeutet:
Wenn Du in Deinem Arbeitsvertrag keinen Abschnitt zur Kurzarbeit findest, muss Dein Chef in der
Regel mit Dir eine Ergänzung vereinbaren.

2. Kann ich Kurzarbeit also ablehnen?

Ja, das ist möglich, wenn nicht der Betriebsrat oder die Gewerkschaft zugestimmt haben.

3. Ist mein Chef berechtigt, mich zu kündigen, wenn ich ablehne, durch Kurzarbeit auf Gehalt zu
verzichten?


Wer in Betrieben mit bis zu 10 Mitarbeitern tätig ist, hat tatsächlich das Risiko der Kündigung. In allen
anderen Fällen muss der Chef dann die Kündigung mit dringenden betriebsbedingten Gründen
erklären. Das Problem für das Unternehmen: Der Arbeitsausfall durch die Corona-Krise ist nur
vorübergehend. Ein dauerhafter Arbeitsrückgang, der zur Kündigung berechtigt, wird laut einigen
Gerichtsentscheidungen erst bei einem Ausfall von 9 Monaten gesehen.

4. Auf wie viel Geld verzichte ich während der Kurzarbeit?

Wenn ich gar nicht mehr arbeite (Kurzarbeit null), muss meine Firma mir kein normales Gehalt mehr
zahlen. Ich bekomme dann rund 60 Prozent meines Nettogehaltes als Kurzarbeitergeld, wenn ich
keine Kinder habe. Der Satz erhöht sich auf rund 67 Prozent des Nettogehaltes, wenn ich ein oder
mehrere Kinder habe. Arbeite ich (nur) weniger, bekomme ich für den Teil, den ich weniger arbeite,
entsprechend 60 oder 67 Prozent, das restliche Gehalt erhalte ich normal weiter.

5. Wer zahlt das Kurzarbeitergeld? Muss ich dafür zur Agentur für Arbeit?

Nein. Der Arbeitgeber zahlt das Geld für die Agentur für Arbeit mit dem normalen Gehalt monatlich
aus. Er bekommt es dann von der Agentur später erstattet.

6. Kann mein Arbeitgeber mir auch mehr Geld überweisen, als die 60 oder 67 Prozent
Kurzarbeitergeld?


Ja. Das ist sogar ziemlich häufig. Große Unternehmen wie Audi oder Daimler zahlen 90 Prozent oder
mehr des Netto-Gehaltes, damit die Einbuße bei den Arbeitnehmern nicht so hoch sind. Sie sparen in
diesem Fall immer noch mindestens 70 Prozent der Löhne!

7. Kann ich eine höhere Zahlung von meinem Arbeitgeber verlangen?

Das zwar nicht. Aber ich kann natürlich meine Einwilligung abhängig machen von einer Aufstockung.
Er wird manchmal darauf eingehen, weil er ja ohnehin sehr viel Lohn sparen kann, auch wenn er
aufstockt.

8. Wie schnell kann mein Chef Kurzarbeit einführen?

Die Agentur für Arbeit sagt momentan: Sofort! Das ist aber arbeitsrechtlich falsch. Es muss immer
eine Ankündigungsfrist geben. Die kürzesten Fristen stehen in den Tarifverträgen der
Gewerkschaften: 5 Werktage. Manche Gewerkschaften sind in dieser Krise auch unter diese Schwelle
gegangen. Aber wer eine Ergänzung zum Arbeitsvertrag unterschreibt, kann davon ausgehen, dass
eine Frist von unter einer Woche, möglicherweise zwei Wochen nicht greift. Unterschreitet der Chef
diese Frist, könnt Ihr den Euch entgangenen Lohn möglicherweise später zurückfordern!


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