MyAbfindung Der MyAbfindungsfaktor

Der My Abfindung Faktor. Was ist das eigentlich?

Abfindung Faktor oder Abfindungsformel?

Stelle Dir vor, Dein Chef hat Dir gekündigt. Vielleicht denkst Du: Dumm gelaufen. So richtig toll fand ich das hier gar nicht – immerhin bekomme ich jetzt eine Abfindung!

Nur: Wie hoch ist diese Abfindung eigentlich und mit welchem Abfindungsfaktor oder Abfindungsformel lässt sich das berechnen?

Es gibt sehr viele Abfindungsrechner im Internet, die Dir eine Antwort geben sollen. Sie fragen Dich nach der Anzahl Deiner Jahre im Betrieb und nach Deinem Bruttogehalt, das Du pro Monat verdienst. Und dann errechnen sie mit einer ganz einfachen Abfindungsformel Deine mögliche Abfindung.  

Diese Abfindungsformel heißt: Ein halbes Bruttogehalt pro Monat mal die Anzahl der Jahre, die Du im Betrieb vollendet hast. Kurz: Ein halbes Brutto-Monats-Gehalt pro Beschäftigungs-Jahr.

Doch diese Abfindungsformel ist 0815!

Diese Abfindungsformel stammt aus dem Kündigungsschutzgesetz. Dort steht, dass ein Arbeitgeber einem Arbeitnehmer ein Angebot in dieser Höhe unterbreiten kann, wenn er den Betrieb verkleinern oder aufgeben möchte. Klagt der Arbeitnehmer dann nicht, hat er Anspruch auf ein halbes Gehalt pro Beschäftigungsjahr.

Eine Arbeitsrichterin in Lübeck, bei der ich schon ein paar Mal verhandelt habe, nimmt diese Formel und schlägt entsprechende Abfindungen vor, wenn sie nicht absehen kann, wer am Ende den Fall gewinnt. Sprechen also genau so viele Gründe für wie gegen den Arbeitgeber, ist die Abfindungsformel mit dem halben Gehalt ein guter Gradmesser. 

Auch wer bereits sehr lang bei seinem Unternehmen arbeitet, kann davon profitieren. Mit sehr lang meine ich mindestens 20 Jahre. Denn dann ergibt die Abfindungsformel, dass mindestens 10 Brutto-Monats-Gehälter als Abfindung heraus kommen!

In den anderen Fällen ist diese Abfindungsformel aber 0815 – und wirklich nicht zu empfehlen!

Warum?

Ein Beispiel: Ich bin zwei Jahre bei einer Beratungsfirma beschäftigt und verdiene 3.500,00 Euro brutto pro Monat. Wie viel Geld bekomme ich nach dem 0815- Abfindung Faktor als Abfindung? Richtig: 3.500,00 Euro brutto. Findest Du das genug?

Zweites Beispiel: Ich bin zwei Jahre und 10 Monate bei dieser Firma beschäftigt. Wie hoch wäre die Abfindung? Wieder 3.500,00 Euro brutto nach der 0815 Abfindungsformel. Findest Du das noch okay?

Darum rate ich zu einer anderen Berechnung, mit dem My Abfindung Faktor! Er hat – gerade bei kürzeren Arbeitsverhältnissen - viel höhere Beträge als Abfindung zur Folge!

Wie geht das?

Nehmen wir das Beispiel mit der Beratungsfirma. Ich bin dort zwei Jahre und zwei Monate beschäftigt, verdiene 3.500,00 Euro brutto pro Monat. Mein Chef kündigt am 25. November. Meine Kündigungsfrist beträgt einen Monat zum Monatsende. Der Vertrag soll laut Kündigung also am 31. Dezember beendet sein. 

Wenn ich nun innerhalb der gesetzlichen Frist von drei Wochen Klage erhebe gegen die Kündigung, wird das Gericht irgendwann im Januar oder im Februar eine erste Verhandlung ansetzen – so rund vier Woche nach Erhalt meiner Klage.  

Zu dieser Zeit zahlt mein Arbeitgeber schon kein Gehalt mehr. Er meint ja, der Vertrag sei mit Ablauf des 31. Dezember beendet.

Wenn ich nun aber in der ersten Gerichtsverhandlung nicht einverstanden bin mit der Kündigung oder einem Angebot nach 0815 Abfindungsformel, dann legt das Gericht einen zweiten Termin fest – meist ein halbes Jahr nach dem ersten Termin. Bei diesem zweiten Termin soll dann in der Regel eine Entscheidung fallen. 

Wir sind - wie gesagt - im Januar. Der nächste Termin wäre dann im Juli – also sieben Monate nach dem vom Arbeitgeber gewünschten Ende des Arbeitsvertrages.

Was passiert bis dahin?

Ich bekomme Arbeitslosengeld I, ich suche neue Arbeit, ich hebe die Bewerbungen auf. 

Dann kommt der zweite Termin im Juli, in dem die alte Kündigung verhandelt werden soll. Nehmen wir an, der Richter erklärt, die Kündigung sei unwirksam. Was geschieht dann? Dann muss der Arbeitgeber mich wieder einstellen – oder in Berufung gehen.

In die Berufung gehen die wenigsten Arbeitgeber. Er muss Dich also eigentlich wieder einstellen.

Und was ist mit dem Gehalt seit Januar?

Verliert der Arbeitgeber, muss er mir das nicht gezahlte Gehalt von Januar bis Juli nachzahlen – abzüglich des Arbeitslosengeldes I, das ich bekommen habe. 

Das wären also mindestens sieben Gehälter, bei einem Gehalt von 3.500,00 Euro also 24.500,00 Euro brutto!!! Plus Sozialversicherungsbeiträge! Aber minus Arbeitslosengeld I.

Und wie viel hätte ich bekommen, wenn ich auf die 0815 Abfindungsformel zur Abfindungsberechnung eingegangen wäre? 3.500,00 Euro brutto!

Ein  ganz schöner Unterschied, oder?

Erfährt der Arbeitgeber in der zweiten Verhandlung im Juli, dass er keine Chance hat, wird er aller Wahrscheinlichkeit nach ein deutlich höheres Angebot unterbreiten. Die Untergrenze ist dabei für Dich das Geld, dass Du seit Januar nicht verdient hast. Die Obergrenze ist offen. Ich habe auf diese Weise einmal einem Arbeitnehmer, der fristlos gekündigt war, ein ganzes Jahresgehalt erstritten.

Wenn Du also im Juli nicht wieder zurück willst zu Deinem alten Chef, wirst Du eine Abfindung vereinbaren, die wesentlich höher ist als der 0815-Faktor.

Welche Risiken nun hat dieser Ansatz?

Risiko 1: Die Kündigung ist wirksam.

Wenn die Kündigung doch wirksam ist, muss der Arbeitgeber kein Geld von Januar bis Juli nachzahlen. Dann wäre es besser gewesen, die 3.500,00 Euro brutto am Anfang zu nehmen. 

Aber: Bei allen Fällen, die ich in mehr als zehn Jahren bearbeitet habe, waren mindestens 90 Prozent der Kündigungen unwirksam! Das Risiko ist also zu vernachlässigen. 

Ausnahme: Du arbeitest in einem Betrieb, der weniger als 10 Vollzeitarbeitnehmer beschäftigt oder Du bist noch nicht ein halbes Jahr in der Firma. Dann greift das Kündigungsschutzgesetz nicht und der Arbeitgeber kann ohne irgendeinen Grund kündigen.

Risiko 2: Du findest sofort neue Arbeit.

Nehmen wir an, Du kannst schon am 1. Januar bei einer neuen Firma anfangen. Wenn Du dort dann auch bleiben möchtest, kann der Arbeitgeber lächeln und sagen: Kommen Sie doch zu uns zurück! Wir haben eine Abfindung angeboten? Die zahlen wir jetzt nicht mehr. Allerdings: Selbst wenn Du neue Arbeit findest, ist der My Abfindung Faktor meist besser. Nehmen wir, Du beginnst bei Deinem neuen Arbeitgeber am 1. April. Dann erhältst Du immer noch drei Brutto-Gehälter, das sind in meinem Beispiel 10.500,00 Euro statt der 0815-Abfindung von 3.500,00 Euro brutto.

Risiko 3: Du kannst Dir eine Einbuße nicht leisten

Wenn der Arbeitsvertrag ausläuft und Du noch keine Arbeit hast, bekommst Du Arbeitslosengeld. Das sind für Menschen ohne Kinder rund 60 Prozent Deines bisherigen Nettogehaltes – und wesentlich weniger als das, wenn Du sehr viel Geld verdienst. Hast Du Schulden und kannst mit den 60 Prozent nicht auskommen, wirst Du nicht ein halbes Jahr auf mehr Geld nach dem My Abfindung Faktor warten können.

Risiko 4: Der Arbeitgeber holt Dich zurück

Manche Arbeitgeber bieten in der ersten Verhandlung an, dass sie die Kündigung zurück ziehen und Du gleich am nächsten Tag wieder in die Firma kommen kannst. Und dann heißt es meist: Arbeiten auf einem Arbeitsplatz, der so richtig wenig Spaß macht. Oder Du wirst versetzt in eine andere Stadt. Oder der Arbeitgeber versucht Dir irgendwie anders, das Leben schwer zu machen. In diesen Fällen brauchst Du gute Nerven. Ich kenne einen Arbeitnehmer, der hat das durchgezogen bei einem Großunternehmen, ist mehrere Monate in einen leeren Raum ohne Arbeit gegangen und hat seine Zeit dort abgesessen. Dann wurde er freigestellt und wird seitdem ohne zu arbeiten weiter gezahlt – seit mittlerweile zwölf Jahren!!! 

Fazit: Der My Abfindung Faktor macht in den meisten Fällen Sinn und kommt häufig zu höheren Abfindungen als die 0815-Abfindungsformel.

Mit dem Abfindungsrechner von MyAbfindung haben wir für Dich ein Instrument geschaffen, mit dem Du die Berechnung Deiner möglichen Abfindungshöhe ausprobieren kannst. 

Stimmt das eigentlich, dass immer  Abfindungen gezahlt werden müssen? 

Leider nein. Nicht immer müssen Unternehmen Abfindungen zahlen. Es gibt sogar in den wenigsten Fällen einen gesetzlichen Anspruch. Aber die meisten Firmen zahlen einen höheren Geldbetrag, weil sie es nicht anders schaffen, ihre Arbeitnehmer zum Aufgeben zu bewegen.

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