Einem Schuldirektor aus Köln wurde zum Verhängnis, dass er die Noten in zwei Klassen verbesserte

Wie ist es dazu gekommen?

Die stellvertretende Schuldirektorin überprüfte in Stichproben die Noten der Schülerinnen und Schüler im Sommer 2018. Und dabei fiel ihr auf: Die Schülerinnen und Schüler der Klassen 10 b und 10 c hatten im Fach Erdkunde alle bessere Noten als die, die in der Zeugniskonferenz der Lehrerinnen und Lehrer vorher festgelegt worden waren.

Was war da passiert?
Heraus kam: Der Schuldirektor hatte eingegriffen!
Er ließ die Erdkunde-Noten für die Schülerinnen und Schüler der Klassen 10 b und 10 c für das Schuljahr von 2016 bis 2017 ändern. Dazu bat er einen Kollegen, die Zensuren in einem Computerprogramm für die Zeugnisse und Noten um eine Notenstufe verbessern.
Alle Schülerinnen und Schüler hatten danach eine Zeugnisnote, die um eine Note besser war! Aus einer 3 wurde zum Beispiel eine 2, aus einer 2 eine 1.

Für zwei Schüler war das besonders gut: Der Erdkunde-Lehrer, der die Klassen unterrichtete, hatte für diese zwei Schüler im Halbjahreszeugnis eigentlich ein „mangelhaft“ vorgesehen - und seine Kolleginnen und Kollegen hatten das in der Zeugniskonferenz auch gebilligt.

Der Schul-Direktor ließ daraus aber ein „ausreichend“ machen. Und im Zeugnis für das ganze Schuljahr machte er bei diesen Schülern aus einem „ausreichend“ ein „befriedigend“. Erlaubt war das nicht. Nach Gesetzen und Regelungen, die für die Schule im Bundesland Nordrhein-Westfalen gelten, musste die Zeugniskonferenz über Zeugnisnoten und über deren Änderung entscheiden – der Direktor durfte das nicht im Alleingang tun!

Bitter für den Direktor: Die Richter urteilten, dass der Schul-Direktor deswegen fristlos gekündigt werden durfte.

Sie schrieben im Urteil:
Der Direktor „hat seine Pflicht, sich bei der Notenvergabe an die maßgeblichen rechtlichen Bestimmungen zu halten, mehrfach und schwerwiegend vorsätzlich verletzt. Dieser Sachverhalt genügt allein, um die außerordentliche Kündigung zu rechtfertigen.“

 Maßgeblich sei, dass Direktor „die Noten geändert hat, obwohl er wusste, dass ein entsprechender Beschluss der Zeugniskonferenz nicht vorlag.“ Der Direktor habe seine Pflicht „nicht nur einmal und nicht etwa spontan verletzt, sondern mehrfach und in einem zeitlichen Abstand von einem halben Jahr.“ Er habe damit in einem ganz wichtigen Bereich bewusst gegen rechtliche Bestimmungen verstoßen.

Die Richter:
„Durch sein Vorgehen sind die Schüler einer Klasse gegenüber anderen Schülern bevorzugt worden, weil sie ohne ausreichende rechtliche Grundlage eine bessere Beurteilung erfahren haben.“

Warum genau ist das so schlimm?
„Dieses Verhalten“, schrieben die Richter, „ist geeignet, das Vertrauen der Schülerinnen und Schüler, ihrer Eltern und der Öffentlichkeit in den ordnungsgemäßen Ablauf der Notengebung zu erschüttern und damit das Ansehen der Schule in der Öffentlichkeit nachhaltig zu beschädigen. Die Kompetenz zur Notengebung und zu deren Änderung ist offensichtlich bewusst nicht einer einzelnen Person, die sich zudem selbst kein eigenes Bild über die Leistungen der Schüler machen konnte, übertragen worden.“

Klare Worte. Ich meine: Auch wenn der Schuldirektor den Jugendlichen helfen wollte: Er verstieß gegen das Gesetz, handelte nach dem Urteil eigenmächtig. In diesem Fall ging es zu Gunsten der betroffenen Schüler aus. Aber was, wenn der Direktor einmal die Noten nach unten korrigiert hätte? Wir können froh sein, dass diese Entscheidungen nicht einzelnen Personen überlassen wurde.


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