Jan 17

Überstunden erfassen - Regierung verschärft Dokumentation der Arbeitszeiten

Machst Du Überstunden? Und ärgerst Du Dich manchmal darüber, dass es so viele sind?

Überstunden erfassen findet in vielen Betrieben in Deutschland nicht statt. Die Unternehmen zeichnen die die Überstunden nicht auf.
Wenn dann die Angestellten die Stunden ausbezahlt bekommen wollen, sagen nicht wenige Unternehmen: „Die Überstunden sind gar nicht angefallen, beweisen Sie mir einmal, dass Sie wirklich im Betrieb waren!“

Das ist jetzt bald hoffentlich Geschichte. Überstunden erfassen soll zur Pflicht werden.

Schon jetzt müssen die Unternehmen die Zahl der Stunden dokumentieren, die über 8 Stunden am Tag hinausgehen. Geholfen hat das nicht viel. Jetzt aber verschärft die Bundesregierung diese Regelung. Sie bereitet nach eigener Auskunft ein Gesetz vor, dass die Arbeitgeber verpflichtet, die gesamten Arbeitszeiten ihrer Angestellten zu dokumentieren. Dies muss in einem systematischen, objektiven, zugänglichen System geschehen.

Was genau im Gesetz stehen wird, wissen wir noch nicht. 

Aber aus meiner Sicht muss künftig nicht nur die Anzahl der Stunden vom Arbeitgeber aufgezeichnet werden. In Zukunft muss sich aus den Unterlagen auch ergeben, zu welcher Uhrzeit die Kollegen die Arbeit begonnen und zu welcher Uhrzeit sie die Arbeit beendet haben. Denn offiziell soll mit Hilfe des neuen Gesetzes geprüft werden, ob auch die vorgeschriebenen Ruhezeiten eingehalten werden. Ohne die Uhrzeiten ist das aber nicht möglich.

Die Bundesregierung ist nicht von allein auf die Idee gekommen, die Pflichten der Arbeitgeber zu verschärfen. Angestupst wurde sie vom Europäischen Gerichtshof. Der hatte geurteilt, dass die Mitgliedstaaten der Europäischen Union mehr tun müssen. Die Mitgliedstaaten, also zum Beispiel Deutschland, Polen und Italien, müssen den Arbeitgebern vorschreiben, die Arbeitszeiten der Angestellten in einem systematischen, objektiven und zugänglichen System zu dokumentieren (Europäische Gerichtshof, 14. Mai 2019 - Aktenzeichen C-55/18). 

Für Arbeitnehmer wird es danach in Prozessen um Überstunden einfacher, den Beginn und das Ende ihrer Arbeit an den einzelnen Wochentagen bei ihrem Arbeitgeber zu beweisen. Aber Vorsicht! Das bedeutet nicht, dass dann alle diese Zeiten auch bezahlt werden müssen. Auch in Zukunft muss der Arbeitnehmer klar nachweisen, dass er gearbeitet hat, und der Arbeitgeber diese Arbeit angeordnet oder geduldet hat – oder die Arbeit zu diesem Zeitpunkt objektiv notwendig gewesen ist.

Wenn Du Dir nicht sicher bist, schau Dir unsere weiteren Beiträge zum Thema Überstunden an. Überstunden erfassen kannst Du auch schon selbst machen: Überstunden - So zahlt Dein Chef jede Minute


Ebenfalls zum Thema:

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Wer als Arbeitnehmer seine Überstunden einklagen will, hat es bald deutlich leichter!Straßburg,


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